Wie bohre ich richtig?
Das maschinelle Bohren kreisrunder Löcher in verschiedene Materialien erfordert auch die dafür vorgesehenen Bohrer und gegebenenfalls auch die dafür erforderlichen Bohrmaschinen und Hilfsmittel. Je nach Material wird daher grundlegend zwischen folgenden Bohrertypen unterschieden:
- Holzbohrer
- Metallbohrer
- Steinbohrer
Das Bohren von stärkeren, massiven Teilen, sollte man mit den dafür vorgesehenen Standbohrmaschinen ausführen. Diese haben eine höhere Widerstandstkraft gegen das Material und können exaktere Bohrungen ausführen.
Unfallverhütung
Das Arbeiten mit Bohrmaschinen machen wir oft aus Freude manchmal einfach nur weil es gerade getan werden muss, dabei sollte unserer Gesundheit immer die größte Aufmerksamkeit gelten, bitte folgendes beachten:
- Lange Haare zusammenbinden und Ärmel hochkrempeln, wird etwas von der Maschine erfasst wird es eingezogen und führt zu schweren Verletzungen, eine Maschine verzeiht nachlässigkeiten nicht!
- An Standbohrmaschinen das Werkstück möglichst immer im Schraubstock einspannen. Der Griff des Schraubstocks muss immer nach links zeigen, da bei einem verhaken des Bohrers andernfalls der Griff in den Brustkorb schlägt.
- Späne, besonders die lange Späne, möglichst bald bei ausgeschalteter Maschine mit einem Handbesen entfernen, um Schnittverletzungen an Händen und Gesicht zu vermeiden.
- Eine Schutzbrille nicht vergessen, sie schützt nicht nur vor herumfliegenden Spänen sondern auch vor aufgewirbeltem Staub.
Holzbohren
Das Werkzeug
Zum bohren von Holz verwendet man Spiralbohrer die denen für Metall recht ähnlich sehen, sie haben allerdings eine Zentrierspitze die das Positionieren des Bohrers erhebliche erleichtert. Zum bohren von großen Durchmessern oder zum bohren von besonders tiefen löchern gibt es besondere Bohrer. Für gelegentliches Bohren können auch Metallbohrer verwendet werden, allerdings gilt hier besondere Vorsicht beim ansetzen da sonst der Bohrer schnell von seiner angezeichneten Position abrutscht.
Der Forstnerbohrer ist ein Bohrer für große Durchmesser, er zeichnet sich dadurch aus das die Späne besonders gut abgeführt wird, zudem ist er gut mit der Handbohrmaschine oder stärkeren Akkubohrschraubern zu führen. Forstnerbohrer sind folgendermaßen aufgebaut: Ein dünner Schaft um ihn in ein normales Spannfutter spannen zu können und vorne ein Zylindrischer Teil der zur Führung dient und zwei Schneiden enthält, ganz vorn ist noch eine Zentrierspitze. Es gibt sie von 8-55 mm Durchmesser, für stationäre Maschinen sind sogar Durchmesser bis 100 mm erhältlich.
Eine weitere Sonderform ist der Schlangenbohrer, es ist auch ein Spiralbohrer allerdings mit größerer Spirale zur besseren Span Abfuhr. Vorn ist entweder eine Zentrierspitze oder ein kurzes Gewindestück, so das weniger Druck beim Bohren notwendig ist. Diese Bohrer sind vorteilhaft für besonders tiefe Löcher, erhältlich sind sie bis zu einer Länge von 600 mm.
Topfbohrer schließen die Durchmesser Lücke zwischen den Forstnerbohrern und der Kreisschneideführung der Stichsäge, sie haben einen normalen Bohrer zur Führung in der Mitte und Töpfe mit Sägezahnung die an diesem Bohrer fixiert sind.
Geschwindigkeiten
Wegen der entstehenden Temperaturen sind Geschwindigkeiten von unter 1000 U/min empfehlenswert. Genaue angaben sind Erfahrungssache und hängen von vielen Faktoren ab. Folgendes sollte aber immer in betracht gezogen werden, große Durchmesser kleine Geschwindigkeit und Weichholz große Geschwindigkeit Hartholz kleine Geschwindigkeit. Außerdem sollte oft die Späne entfernt werden, da diese für erhebliche Reibung sorgt. Wenn sich die Späne in den Windungen des Bohrers verstopft hat sollte sie nicht mit der Hand, sondern bei ausgeschalteter Maschine mit einem Restholzstück abgestriffen werden.
Das Bohren
Zuerst anzeichnen und die Zentrierspitze in die Stelle drücken, die Bohrmaschine Einschalten und den Bohrer in die Kerbe setzen, Späne regelmäßig durch zurückziehen des Bohrers abführen. Bei Forstnerbohrern ist es beim bohren zudem vorteilhaft wenn man die Maschine kontrolliert Taumeln lässt.
Zum Bohren gibt es eine Reihe brauchbarer Maschinen, besonders feinfühlig geht es mit der Hanbetriebenen Bohrmaschine. Aber auch mit alle Elektrischen Handbohrmaschinen, bei abgeschaltetem Schlagwerk, sind verwendbar. Ebenso können Akkuschrauber verwendet werden, allerdings sollte darauf geachtet werden das die Drehmomenteinstellung auf Bohren gestellt ist. Besonders präzise kann mit einer Standbohrmaschine oder einer Fräsmaschine gearbeitet werden.
Metallbohren
Das Werkzeug
Zum Bohren von Metall müssen besondere Metallbohrer verwendet werden. Der Metallbohrer ist wohl der bekannteste Bohrer da er auch für Holz und Kunststoff verwendet werden kann, es gibt ihn normalerweise als silberfarbene oder schwarze HSS Bohrer. Metallbohrer mit längerer Lebensdauer haben goldene oder rötlich/violette Beschichtungen.
Geschwindigkeit
Beim Bohren von Metall ist die Geschwindigkeit von Bedeutung, grundsätzlich gilt: Kleiner Durchmesser große Geschwindigkeit, Großer Durchmesser kleine Geschwindigkeit. Folgende Geschwindigkeiten können als Anhaltspunkt genommen werden:
- 5 mm und kleiner 1300 U/min und schneller
- 6 mm 1200 U/min
- 8 mm 800 U/min
- 10 mm 700 U/min
- 12 mm 500 U/min
- 14 mm und größer 400 U/min und langsamer.
Vorbereitung
Damit die Bohrung an der beabsichtigten Stelle gebohrt werden kann, muss an dieser Stelle eine Vertiefung gemacht werden. Dies wird mit einem spitz angeschliffenen Stahlstift dem Körner gemacht. Die Spitze wird auf den Punkt gestellt und auf das obere Ende wird mit einem Hammer geschlagen.
Besonders bei tieferen Bohrungen müssen wir uns um die entstehenden Temperaturen und den Verschleiß Gedanken machen, hierfür wird eine „Bohrmilch“ oder ein besonders zähes Schneideöl verwendet, für den gelegentlichen Einsatz funktioniert auch jedes im Haushalt vorhandene Öl. Der Schmierstoff wird am besten gelegentlich mit einem Chinaborsten Pinsel in das Bohrloch geträufelt.
Natürlich werden Bohrer auch manchmal Stumpf, gerade bei hochwertigen Exemplaren bietet es sich darum an die Böhrer zu schärfen indem man Sie schleift. Es gibt viele verschiedene Schleiftsteine die sich dazu hervoragend eignen somit haben Sie länger Spaß an Ihren Bohrern.
Das Bohren
Der Körnerpunkt wird unter der Bohrerspitze platziert. Dann bohren bis die Spitze eingetaucht ist und etwas von dem Öl dazugeben, danach immer ein bisschen weiter Bohren und im Wechsel Öl hinzugeben/ Späne entfernen bis die gewünschte Tiefe erreicht ist. Soll die Bohrung ganz durchgehen, so ist am Ende ist noch einmal besondere Vorsicht geboten. Kurz vor dem Durchstoßen braucht man plötzlich viel weniger Druck, und muss auch sofort der Druck verringern, nur noch ganz langsam und vorsichtig werden die letzten Millimeter gebohrt.
Das Bohren von größeren Durchmessern (mehr als 10 mm) sollte in mehreren Schritten erfolgen, da das Bohren sonst sehr schwer fällt und die Bohrung ungenauer wird. Hierzu wird einfach ein Loch kleiner als 10 mm gebohrt und anschließend wird der größere Bohrer in die Maschine gespannt. Der nachfolgende Bohrer sollte immer mehrere Millimeter größer sein als sein Vorgänger. Beim Bohren ist nun etwas besonderes zu beachten, die nachfolgenden Bohrer neigen dazu sich plötzlich in das Material zu ziehen, so das der Griff der Standbohrmaschine besonders fest zu halten ist.
Als Abschluss sollten jetzt noch die Ränder mit einer Feile oder einem Senker entgratet werden. Beim Senken einer Fase sollte die breite der Fase ca. 10% des Bohrdurchmessers betragen.
Steinbohren
Das Werkzeug
Das Bohren in Stein, Mörtel und Beton geht nur mit speziellen Betonbohrern, diese haben zum Abtransport des Bohrstaubs eine Spirale und an der Spitze ist eine Hartmetallplatte eingelötet, die sehr viel härter ist als Stahl. Alle anderen Bohrer sind nicht einmal als Notbehelf zu gebrauchen da sie in kürzester Zeit verschleißen.
Betonbohrer gibt es in mehreren Ausführungen, mit normalen Schaft und mit SDS-Plus Aufnahme, erste ist für das normale Bohrfutter gedacht und die zweite für die Aufnahmen wie sie bei Bohrhämmern vorkommen. Auch bei den Hartmetallplatten gibt es zwei Arten, stumpfe und geschliffene Schneiden. Stumpfe Schneiden, wie sie bei den Standardbohrern zu finden sind, werden für Beton und Mauerwerk benutzt, will man Fliesen durchbohren oder muss man in Mauerwerk mit einem Akkuschrauber ein Loch bohren sind die scharfen Schneiden die geeignete Wahl.
Vorbereitungen
Für das Bohren in Mauerwerk sind keine besonderen Vorkehrungen zu treffen, an der Maschine ist eine hohe Geschwindigkeit einzustellen, auf Schlagbohren muss nicht unbedingt geschaltet werden.
Für das Betonbohren ist ebenfalls eine hohe Geschwindigkeit und ein SDS-Bohrer von Vorteil, die Schlagbohrfunktion ist unbedingt erforderlich.
Das Bohren
Das Bohren sollte generell immer mit hohen Geschwindigkeiten erfolgen. Bei Beton das Schlagbohrgetriebe einschalten, bei allen anderen Materialien geht es oft besser ohne.
Bei größeren Durchmessern kann es einfacher sein in zwei oder mehr Durchgängen zu bohren, so kann man z. B. beim Bohren für ein Waschbecken oder Hänge-WC erst mit 6 mm bohren und dann mit 14 mm hinterher bohren.
Besonderheit Fliesen
Beim Bohren von Fliesen werden die scharf geschliffenen Bohrer und eine hohe Geschwindigkeit benötigt. Die Bohrungen sind nach Möglichkeit so zu legen, dass sie in der Fuge sind. Muss man direkt auf der Fliese bohren, so kann ein aufgeklebter Klebestreifen ein Abrutschen beim Ansetzen verhindern. Hierbei ist mit einer etwas langsameren Geschwindigkeit zu beginnen, bis der Bohrer die Glasur durchstoßen hat.
Dübeln
Befestigen von Lampen, Bilder, Möbel
Dübel aus Kunststoff werden nach ihrem Durchmesser benannt z. B. für einen 6er Dübel muss ein 6 mm großes Loch gebohrt werden. Welchen Durchmesser man wählen sollte hängt von der Last ab die angehängt wird sowie das Material in das gebohrt wird. Genaue Informationen kann man in Fibeln der Hersteller nachlesen. Ganz grob kann man sagen, das Bilder und nicht allzu schwere Lampen mit einem 5 mm Dübel auskommen, kleine Regale kommen mit mehreren 6 mm Dübeln aus und große Regale sowie Hängeschränke sollten mindestens 8 mm große Dübel bekommen.
Befestigen von Markisen
Dieses Kapitel möchte ich dafür nutzen um davor zu warnen diese Arbeit selbst auszuführen. Zum befestigen sind besondere Befestigungsmittel und besondere Kenntnisse über den Aufbau der Wand erforderlich. Schwerlastanker sind nicht für jedes Material geeignet und manchmal muss eine Markise sogar durch die Vormauer und die Isolierung hindurch an der Hauptmauer befestigt werden. Bei Fertighäusern und Holzhäusern sieht es wieder ganz anders aus.
Fragt den Fachmann wenn es um solche Arbeiten geht!
Gewindeschneiden
Um zwei oder mehrere Teile aus Metall oder auch stärkerem Acrylglas zu verbinden ist ein Gewinde ratsam, es ist stabil, wieder lösbar und relativ einfach herzustellen. Die Beschreibung beschränkt sich nur auf die Arbeitsschritte die für das herstellen des Gewindes entscheidend sind, wie die Bohrungen zu machen sind steht im Kapitel Metallbohren.
Vorbereitungen
Am Anfang muss die Stelle bestimmt werden an der das Gewinde sein soll, diese Position muss auf der Seite angezeichnet werden von der man später die Schraube reinsteckt. Nun die Position auf den übrigen Teilen anzeichnen. Wenn eine Spannbacken zur verfügung stehen können die Teile auch übereinander gespannt werden und zusammen gebohrt werden.
Der erste Bohrer ist der so genannte Kernlochbohrer, dies ist im Prinzip der Durchmesser den die Schraube ohne Gewinde hätte. Mit ihm sollte nach Möglichkeit 3 Mal so tief gebohrt werden wie der Nenndurchmesser des Gewindes, also bei M10 wird 30 mm tief gebohrt.
In die übrigen Platten wird mit dem Durchgangsbohrer gebohrt, das sorgt dafür das sich die Schraube leicht einstecken und drehen lässt.
Nun bekommen noch alle Kanten eine Fase, die Durchgangslöcher werden 10% größer angefast und die Gewindelöcher erhalten eine Fase die mindestens 10% größer ist als der Nenndurchmesser, also einfach Durchmesser mal 1,1 rechnen bei M10 10 x 1,1 = 11 mm Außendurchmesser.
Tabelle
Die folgende Tabelle gibt aufschluss über die Bohrerdurchmesser der gängigsten Metrischen Gewinde.
| Gewindebezeichnung | Kernlochbohrer | Durchgangsbohrer |
| M2 | 1,6 | 2,2 |
| M3 | 2,5 | 3,2 |
| M4 | 3,3 | 4,2 |
| M5 | 4,2 | 5,2 |
| M6 | 5 | 6,2 |
| M8 | 6,8 | 8,2 |
| M10 | 8,5 | 10,2 |
| M12 | 10,2 | 12,2 |
Schneiden
Sind die Vorbereitungen abgeschlossen so geht es nun mit dem Gewindeschneiden los. Wir brauchen dafür einen dreiteiligen Gewindebohrer Satz und ein Windeisen Gewindebohrer.
Wir nehmen nun den Gewindebohrer mit einem Ring am Schaft und setzen ihn in das Windeisen, nun wird der Gewindebohrer mit Schneidöl benetzt möglichst senkrecht in das Loch gesetzt. Langsam wird er hineingedreht während immer wieder die Senkrechte Position überprüft wird. Regelmäßig muss der Bohrer eine viertel Umdrehung zurück gedreht werden um den Span zu brechen. Geht es nicht tiefer so wird er herausgedreht und der Gewindebohrer mit den zwei Ringen wird zur Hand genommen. Er wird zuerst ohne Windeisen so weit wie möglich herein gedreht, danach so verfahren wie mit dem ersten. Nun wiederholen wir es noch einmal mit dem Fertigschneider, er hat gar keinen Ring, mit ihm wird genauso verfahren wie mit den beiden zuvor.
Jetzt haben wir unser Gewinde fertig gestellt, mit einer langen Nadel können nun die Späne entfernt werden.
Auswahl der Schraube
Die Schraube sollte so lang sein, das wenn sie noch nicht eingeschraubt ist, etwa 1,4 mal der Durchmesser über der Auflagefläche überstehen.